Koordination der palliativen Betreuung


Interview mit Bettina Lohr

Seit 2007 besteht für Patienten mit einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung die Möglichkeit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Niedergelassene Ärzte und ambulante Pflegedienste können sich in Weiterbildungen für diese Aufgaben qualifizieren und zusammenschließen, um dann gemeinsam, auch in besonders schwierigen Fällen, eine Begleitung im häuslichen Umfeld zu ermöglichen. Die DRK Sozialstationen Wesermünde gehören seit einigen Monaten zum „Palliativteam Landkreis Cuxhaven“ und haben im Januar einen Spezialvertrag mit den Niedersächsischen Krankenkassen geschlossen. Bettina Lohr beantwortet als Koordinatorin einige Fragen zu diesem Thema.

ImPuls: Frau Lohr, Sie sind Koordinatorin im Palliativteam. Was genau ist Ihre Aufgabe?

Bettina Lohr: An der SAPV sind in der Regel viele Menschen beteiligt: Sozialdienst, Krankenhausärzte, Hausarzt, Palliativmediziner, Pflegedienste, Apotheken bis hin zu Nachversorgern: Firmen, die z.B. spezielle Medizingeräte zur Verfügung stellen. Gerade in dieser Situation ist eine koordinierende Person wichtig, damit alle Beteiligten voneinander wissen, die nötigen Hilfsmittel und Medikamente rechtzeitig vor Ort sind, Anträge und Verordnungen fristgerecht auf den Weg gebracht werden usw. Diese Schnittstellenfunktion füllt die Koordinatorin aus.

ImPuls: Was unterscheidet SAPV von der normalen Palliativversorgung zu Hause?

Bettina Lohr: Ein SAPV-Patient hat ein „komplexes Symptomgeschehen“ – das ist etwa dann der Fall, wenn ausgeprägte Schmerzen, rezidivierende, belastende Angstzustände, schwer beherrschbares Erbrechen oder Luftnot, exulzerierende Wunden und Überforderung auftreten. Der gBA (siehe Kasten) hat sechs Kriterien festgelegt – mindestens eines davon muss zutreffen, damit von komplexem Symptomgeschehen die Rede sein kann. Dementsprechend muss ein SAPV-Team besonders gut qualifiziert und außerdem gut miteinander vernetzt sein, um etwa auftretende Notfälle gut beherrschen zu können – ohne dass es zu einer erneuten Krankenhauseinweisung kommt. Dazu gehört auch die entsprechende Rufbereitschaft.

ImPuls: Wie arbeiten Sie mit den Krankenhäusern zusammen?

Bettina Lohr: Häufig nimmt zunächst der Sozialdienst des Krankenhauses Kontakt mit uns auf. Wenn die Voraussetzungen für die SAPV zutreffen, fängt meine Arbeit an: Ich verschaffe mir ein Bild der aktuellen Situation und kontaktiere den Patienten, seine Angehörigen, den Hausarzt und kläre in alle Richtungen, wie eine Begleitung sichergestellt werden kann. Im Krankenhaus, oder im häuslichen Bereich wird der sogenannte Kriseninterventionsplan mit den dort tätigen Ärzten entwickelt. Direkt nach der Entlassung besuche ich den Patienten zu Hause. Dort bespreche ich mit ihm und den An- und/oder Zugehörigen die weitere Versorgung (z.B. wie häufig der Pflegedienst nach Hause kommt, ob der Besuch eines ambulanten Hospizdienstes gewünscht ist, welche Rollen die Angehörigen übernehmen möchten).

Der Sozialdienst erreicht mich unter der Telefonnummer 01 74 – 9 74 46 51. Übrigens gibt es auch für Patienten in Bremerhaven diese Möglichkeit – in diesen Fällen kontaktiert man den Palliativverein am St. Joseph-Hospital.